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Kunsttherapie: Methoden, Dauer & Ziele der Kunsttherapie

Kleine Kinder toben sich mit wahrer Begeisterung beim Malen und Basteln aus und lassen ihren Gefühlen freien Lauf. Aber auch Erwachsene geben in einem Kunstwerk ein Stück Ihres Innenlebens preis: Man denke nur an die Bilder schwer Krebskranker, die richtig unter die Haut gehen. Emotionen, die in dieser Form einem Menschen gar nicht bewusst sind oder zugelassen werden, dürfen in Bildern und Zeichnungen “ausbrechen“.

Bilder aus dem Unterbewusstsein

Und hier setzt die Mal- oder Kunsttherapie ein. Es geht dabei nicht darum, ein Kunstwerk zu produzieren. Der Patient greift zu Farbe und Pinsel und lässt seiner Kreativität freien Lauf. Aktiviert wird dabei das Unterbewusstsein. Die Therapie will, dass der Patient sich gehen lässt, furchtsam, wild oder vorsichtig improvisiert und seine eigene Technik entwickelt. Erlaubt ist alles, eine Wertung gibt es nicht. Dieses ungehemmte Ausleben der eigenen Kreativität stillt bei den meisten Menschen ein tief sitzendes, leider häufig verschüttetes Verlangen.

Schritt für Schritt lernt der Kranke Ängste und Schüchternheit zu überwinden und entdeckt dabei nicht selten bislang nicht wahrgenommene Seiten seines Innenlebens. Eigene Kunst baut eine Brücke zwischen Phantasiewelt und Realität, lässt Trauer und Verluste zu und gibt Hoffnung und neuen Mut.

Die Kunst des Augenblicks

Dabei bestimmt das Ausleben des Augenblicks das Ergebnis. Wichtig ist, dass der Patient sich entspannt und bereit ist auf seine inneren Impulse zu reagieren. Natürlich kann man sich vornehmen, z.B. eine Blume zu zeichnen. Was aus dieser Blume wirklich wird, welche Farbe und Form sie annimmt, dies alles hängt von vielen vorher nicht bestimmbaren Einflüssen ab. Es ist ein spannender Prozess, zu erleben, welche Bilder das eigene Selbst produziert. Es gibt auch kein festes Schema: Man malt, wann und sooft man möchte, auch in Eigenregie.

Lebenshilfe und Wachstumschance

Natürlich kann ein erfahrener Therapeut die Bilder interpretieren. Sie geben wichtige Hinweise über verborgene Probleme und den wahren Seelenzustand eines Patienten. In erster Linie bietet eine solche Therapie jedoch dem Patienten die Möglichkeit, sich selbst zu finden. Ein Therapeut kann unterstützend wirken, indem er den Schaffenden unterstützt und ihm in Extremsituationen mit einem Gespräch weiterhilft. Im Verlauf einer solchen Behandlung findet eine Art Befreiungsprozess statt. Mit jedem Pinselstrich bewältigt der Betroffene ein kleines Stück seines Kernproblems und erfährt dadurch eine Stabilisierung seiner Persönlichkeit. Oft muss ein innerer Konflikt immer und immer wieder bearbeitet werden, bis er sich nach und nach löst.

Adressen von Kunsttherapeuten erfährt man am Besten vom Hausarzt oder findet man im Branchenbuch unter der Rubrik “Psychotherapie”.

Die Mal- oder Kunsttherapie lässt sich in jedem Lebensalter einsetzen. Kinder können so z.B. Eifersuchtsgefühle gegenüber Geschwistern ausleben, Erwachsenen hilft sie, Lebenskrisen zu bewältigen. Malen ist aber nicht nur in schwierigen Lebensabschnitten sinnvoll. Es hilft auch Gesunden, die eigene Kreativität zu fördern und spielerischer mit den Anforderungen des Alltags umzugehen.